Zur Theorie der Rationalen Wahl

Die sogenannte Rational Choice Theory, im deutschen auch Die Theorie der Rationalen Wahl genannt, besagt grundsätzlich zwei Dinge: individuelle Handlungen basieren auf rationalen Entscheidungen, und individuelle Handlungen können gesellschaftliche Phänomene erklären. In einem Satz zusammengefasst: absichtsvolles Handeln kann unbeabsichtigte Resultate verursachen. 

Diese zentrale Aussage sehen die Vertreter der Rational Choice Theory (RTC) als die Stärke der Theorie. Auch wenn die Menschen, die eine Handlung durchführen, meist durch gewisse Präferenzen ein nutzenmaximierendes Verhalten zeigen. Das bedeutet, ihr Verhalten ist davon geprägt, die Kosten des eigenen Handelns gering zu halten. Wie hat diese Theorie sich entwickelt und wo kann sie außerdem angewendet werden?

Geschichte der Theorie und Kritik

Bekannte Begründer der RTC sind u.a. David Hume und Adam Smith, Moralphilosophen aus dem 18. Jahrhundert.. Letzterer schrieb u.a., dass der Mensch aus Eigennutz seine Produktivität und Erträge steigern will. Dadurch fördert er das Interesse der Gesellschaft stärker, als wenn er dies direkt hätte fördern wollen. Er spricht auch von einer unsichtbaren Hand, die den Mensch dazu leitet, einen Zweck zu fördern, den er eigentlich gar nicht beabsichtigt hatte zu fördern. 

Kritiker sehen jedoch ein unrealistisches Menschenbild in dieser Theorie. In diesem Zusammenhang nennen diese häufig den Framing-Effekt. Dieser besagt, dass oft minimale Veränderungen in der Art und Weise, wie Informationen übermittelt werden, zu dramatischen Veränderungen im Entscheidungsverhalten führen können. Denken Sie in diesem Zusammenhang nur an die Informationsübermittlung im Internet! Dieses Phänomen kann inzwischen durch zahlreiche Studien belegt werden und macht die Theorie nicht mehr pauschal anwendbar in der Praxis.

Anwendung in der Spieltheorie

Auch die Spieltheorie beschäftigt sich mit diesem Ansatz. Wesentlicher Bestandteil sind die Erwartungen über die Entscheidungen der Spieler, welche wiederum die Entscheidungen aller Spieler beeinflussen. Ein Spieler versucht immer, seinen eigenen Nutzen zu maximieren und handelt damit egoistisch. Den anderen Spielern helfen sie nur, wenn sie dadurch einen Vorteil erlangen. Hierbei muss aber erneut der Kontext betrachtet werden: handelt es sich um ein einfaches Spiel, kann diese Theorie angewendet werden. Denn dann liegen zumeist die wichtigsten Informationen vor. 

Nehmen wir als Beispiel ein Elfmeterschießen. Der Torwart steht nicht in der Mitte des Tores, sondern ganz links. Dadurch ist es schwieriger für ihn, den Ball zu fangen, wenn der Schütze in die rechte Ecke zielt. Dieser weiß das, und wird daher nach rechts schießen. Aber auch der Torwart kann so den Schützen gezielt steuern, so dass dieser auf eine bestimmte Seite schießt. Der Torwart könnte also rechtzeitig in diese Ecke hechten und den Ball doch noch halten. Bei schwierigeren Spielen wie z.B. Schach gibt es gerade zu Anfang sehr viele Zugmöglichkeiten. Das Problem ist sehr komplex, und bei der Entscheidungsfindung entstehen möglicherweise Nachteile, denn der Spiele kann nicht alle Entscheidungen seines Gegenspielers berücksichtigen.